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Die Geschichte der Eine-Welt-Ecke

Arbeitsgemeinschaft Eine Welt 1981-2006

Aktionen in Schulen werden häufig für eine bestimmte Aufgabe und für einen begrenzten Zeitraum gestartet. Ungewöhnlich ist jedoch, dass eine Idee auch noch nach 25 Jahren bei 30 Schülern und einigen Lehrern lebendig ist. Solidarität mit Menschen in Entwicklungsländern ist der Impuls, der damals auf Grund eines Schülerbeitrags im Unterricht zur Gründung dieser Hilfsaktion führte, die im außerunterrichtlichen Bereich arbeitet und auch noch heute wirksame Hilfe leistet.
Bei einem Arbeitsgespräch der Gruppe, zu dem ich eingeladen war, bekam ich diesen Eindruck, und ich will gern von den Anfängen der Arbeitsgemeinschaft erzählen.

Erste Aktionen

Wir Religionslehrer griffen den Anstoß aus dem Unterricht auf. Das Modell „Aktion Projektpartnerschaft“, entwickelt vom kirchlichen Hilfswerk „Misereor“, schien uns gut geeignet: Für die Gesundheitsversorgung von Arbeitersiedlungen in Itabira in Brasilien wurde Hilfe benötigt. Eine „Dritte-Welt-Woche“ im Mai 1981 erbrachte den Erlös von 1140 DM für 19 Erste-Hilfe-Koffer. Bei dieser Aktion wurden Waren aus 3.-Welt-Ländern (vorwiegend Tee, Kaffee, Honig) verkauft.
Dabei kam der Ausschank von Tee und Kaffee während der Pausen so gut an, dass wir - mit geliehenen Kaffeemaschinen - diesen „Service“ weiter anboten, ebenso den Verkauf von Produkten aus Entwicklungsländern, die wir von der „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der 3. Welt“ (Gepa) in Wuppertal holten.
Grundlage für die Dritte-Welt-Arbeit war von Anfang an, nicht einfach „für einen guten Zweck Spenden zu sammeln“, sondern eben durch Einkauf bzw. Verkauf von Produkten aus Ländern der Südhalbkugel die ungerechten Handelsbeziehungen zwischen „erster“ und „dritter“ Welt zu vermindern. Dabei soll schließllich langfristig auch eine Änderung unseres Kaufverhaltens als Konsumenten erfolgen. Zugleich soll damit bedürftigen Menschen geholfen werden.
Im Mai 1982 unterstützten wir – wieder in der „Aktion Projektpartnerschaft“ nach dem Modell „Misereor“ - ein Aufforstungsprojekt in Papaye auf Haiti, durch dessen Ergebnis Bauernkindern eine Schulausbildung ermöglicht werden konnte: 260 Bäume konnten wir pflanzen (lassen)!
Der Schulleiter, Herr Sterz, genehmigte im Oktober 1982 den Aushang eines Aufrufs zur Bildung einer Arbeits-Gemeinschaft 3. Welt aus Schülern und Lehrern.

Ein neuer Partner: DAHW (Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk) – Aktionsgemeinschaft Köln

Nun trat eine neue Situation ein: Es sollten nicht mehr nur Projekte eines kirchlichen Hilfswerkes unterstützt werden, - die Hilfsaktion sollte - weltanschaulich neutral - von allen Gutwilligen an der Schule mitgetragen werden können. Daraufhin übernahmen auch Politiklehrer die Zielvorstellungen der Aktion und thematisierten sie im Unterricht. (Den Begriff 'Nächstenliebe' übersetzten wir mit 'Solidarität'.) Wir erfuhren von einem Projekt des DAHW in Tansania/Ostafrika, das seit 1963 von Kölner Spendern unterstützt wurde: die Leprastation Morogoro-Litisha erhielt ein Krankenhaus. Bei der Einweihung durch den damaligen Präsidenten Nyerere bekam es 1965 aus Dankbarkeit gegenüber den Spendern den Namen der Partnerstadt „Köln“.
Dieser bestehenden Partnerschaft schlossen wir uns als Schule in Köln aus Solidarität an: Wir wollten für die Medikamente in diesem Krankenhaus sorgen. Nach unserer Aktionswoche im November 1983 – jetzt unter dem Leitwort „Medizin für Morogoro“ - erhielten wir einen Dankesbrief für 1686 DM aus Tansania. Dort war die Freude über die unverhoffte Unterstützung von einer unbekannten Schule groß.
Unsere Aktion hatte jetzt konkrete Adressaten: wir erfuhren von den Schicksalen der dort betreuten Kranken und ihrer Genesung, wir lernten weitere Einrichtungen kennen, etwa eine Kinderstation, in der Leprawaisen und die Kinder der Region ambulant behandelt, mit Kleidung versorgt und verpflegt werden. Viele Menschen erfuhren dort am eigenen Leib, was wir mit unserer Hilfe bewirken und zeigen wollten: Solidarität mit dem fernen Nächsten.
Bei der Projektwoche 1983 wurden durch Schulleiter Heinz Sterz Informationen über Taanzania, das frühere Deutsch-Ost-Afrika, vermittelt. Anschauliche Einblicke in das Leben auf der Leprastation Morogoro erhielten die Schüler durch eine Kölner Touristin anhand ihrer aktuellen Dias, anschließend konnten sie Pfarrer M´Pangara aus Tansania weitere Fragen stellen.

Grundlagen für die außerunterrichtliche Projektpartnerschaft

Bei allen Aktionen ging es von Beginn an um ein charakteristisches Merkmal: Die Hilfe für die Leprakranken sollte nicht durch Sammeln von Spenden erreicht werden, sondern aus fairem Handel kommen: Produkte aus Entwicklungsländern wie Kaffee, Tee. Honig, Seife, Kunsthandwerk u.a. sollten zu fairen Preisen verkauft werden. Vor allem Handwerker und Kleinbauern sollten dadurch Hilfe erhalten, durch Kredite und gerechte Bezahlung sollten sie ihren Kindern den Schulbesuch ermöglichen können.
Als in Köln im Januar 1985 an einem 'Tag für Afrika' Politiker und Musikgruppen die Öffentlichkeit zur 'Hilfe für den vernachlässigten Kontinent' aufriefen, konnte die Arbeitsgemeinschaft 3. Welt an der Georg-Simon-Ohm-Schule bereits Spenden in Höhe von 2393 DM aus der Aktion 1984 überweisen.
Da in Äthiopien eine Hungersnot herrschte, konnten wir - parallel zum Tansaniaprojekt - unter dem Motto „Brot für Boru Meda“ ein Lepradorf mit 800 DM, dem Erlös aus Flaschenpfand, unterstützen.
Die Jahresbilanz 1985 wies als Erlös für das Hospital in Morogoro 2634 DM auf.
Im Juni 1986 – nach fünf Jahren der Projektarbeit - wurde die alljährliche „Eine-Welt-Woche“ in Verbindung mit der damaligen Jugend-Freizeit-Akademie Köln veranstaltet. Neben dem Religionsunterricht befasste sich fächerübergreifend auch der Politikunterricht mit der Thematik der unterentwickelten Länder in der 'einen Welt'. Bei der ersten Veranstaltung informierte ein Vertreter der GEPA (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der dritten Welt) unter dem Thema „Hilfe durch Handel“ über Produkte, Produzenten als Partner und über die unterstützten Projekte. Im weiteren Verlauf der Woche informierten das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk über die Arbeit in Indien, das Komitee Cap Anamur/Deutsche Notärzte gab Einblick in seine Tätigkeit in Äthiopien – denn auch dahin floss ja ein Teilerlös der Schulaktion. Ein Podiumsgespräch mit Vertretern der verschiedenen Hilfsorganisationen und mit namhaften Politikern der örtlichen Parteien, darunter die Ministerin Katharina Focke, wurde von Lehrer Voigtsberger moderiert. Es wurde diskutiert, ob Entwicklungshilfe dem Eigennutz in unserem Land diene oder Hilfe zur Selbsthilfe in den Ländern der Südhalbkugel sei. Zum Abschluss der Woche hielt Josef Reding eine Autorenlesung aus seinen Kurzgeschichten unter dem Titel „Wir leben in e i n e r Welt“, der Film „Septemberweizen“ zeigte ebenfalls die Thematik auf.
Während der Pausen erklangen bei einer Verkaufsausstellung von Kunsthandwerk, Textilien und Lebensmitteln aus Entwicklungsländern lateinamerikanische Rhythmen, live gespielt von der Beto-Gomez-Band in ihrer landesüblichen Tracht.
Verständlich, dass auch über diese Eine-Welt-Woche unserer Schule – wie bereits bei den Projektwochen der Vorjahre – in der Presse ausführlich berichtet wurde.

Neue Mitglieder für das „Eine-Welt-Ecke-Team“ (EWE-Team)

In der Folgezeit war immer wieder erfreulich zu sehen, dass sich in jedem neuen Schuljahr neue Mitglieder von der Idee der Solidarität mit dem fernen Nächsten für die Eine-Welt-Arbeitsgemeinschaft motivieren ließen; sie bildeten zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der oberen Klassen das „Eine-Welt-Team“, das vor und nach dem Unterricht, vor allem aber in den Pausen in der „Eine-Welt-Ecke“, einer Art Kiosk, Kaffee und Tee zubereiteten und ausschenkten, sowie Waren der einzelnen Länder verkauften. Es entstand ein gesuchter Treffpunkt von gleich gesinnten Tee- und Kaffeetrinkern, und es wurden in den Pausen regelmäßig Gespräche – auch zwischen Lehrern und Schülern geführt. Wer wollte, konnte sich anhand der ausliegenden Schriften Informationen über Land und Leute und Produkte verschaffen.
Zur Behandlung von Lepra kam in den weiteren Jahren mehr und mehr die Sorge für Aids- und Tuberkulosekranke hinzu, wie es die Info-Schriften des DAHW aufzeigten. Mit guten Medikamenten, wenn sie denn vorhanden sind, kann Hilfe geleistet werden; deshalb heißt es weiterhin: Medizin für Morogoro.
Aus Tansania erhielten wir weitere aktuelle Informationen aus dem Hospital und dem benachbarten Lepradorf Litisha, als Schwester Fromunda bei ihrem Heimaturlaub in Deutschland unsere Schule besuchte und uns den Dank der betreuten Kranken persönlich überbrachte. Videofilme vermittelten uns dabei als Zuschauern – neben dem Blick auf das Schicksal der Menschen - auch einen anschaulichen Eindruck von den Schönheiten des Landes, die freilich nicht die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme überdecken können. Tansania gehört ja bekanntlich zu den ärmsten Ländern der Welt.
Unsere Spendenerlöse, die vom Deutschen Aussätzigen-Hilfswerk mit dem Sitz in Würzburg nach Tansania weitervermittelt werden, konnten auch für Mädchen und Jungen Hilfe bringen, die entweder eine Krankenpflegeschule besuchen oder in Hauswirtschaft, Schneiderei oder Landwirtschaft ihre Ausbildung erhalten. Es machte uns jedenfalls Freude, wenn uns – meist zu Weihnachten – Post aus Morogoro von Schwester Fromunda erreichte, als ein Echo auf unsere Hilfsaktionen.

Armin Maidhof

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