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Schulchronik Teil1

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Die Chronik des Georg-Simon-Ohm-Berufskollegs

In diesem Teil entnehmen wir Teile aus der S c h u l c h r o n i k der Werner-von-Siemens-Schule, Kollegschule der Stadt Köln. Sie wurde erfasst und zusammengestellt im Jahre 1986 von Hans Nagel unter der Mitwirkung von Dr. Gottfried Adolph, Manfred Drescher, Wilhelm Koch und Hans Petersmann.

Das heutige Werner-von-Siemens-Berufskolleg hat die gleichen Wurzeln wie unser Berufskolleg. Aus dieser Schulchronik wurde nur der 1. Teil (die Seiten 1-34) berücksichtigt. Er behandelt die Entwicklung des Berufsschulwesens in Köln allgemein und der Schule GB IIIa (Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik) bis zum Ende des Schuljahres 1968/69.

Die GB IIIa wurde mit Schuljahresbeginn 1969/70 geteilt in die beiden Schulen

  • Berufsschule für  Fernmeldetechnik  und Mechanik (heute Georg-Simon-Berufskolleg)
  • Berufsschule für Elektrotechnik  und Elektronik (heute Werner-von-Siemens-Berufswkolleg)

Ab diesem Zeitpunkt trennen sich die Wege der beiden Schulen. Die Entwicklung der Berufsschule für Elektrotechnik  und Elektronik kann in der o.g.Chronik, die gebunden vorliegt,  weiter verfolgt werden.

Die  Entwicklung der Berufsschule für  Fernmeldetechnik  und Mechanik wird im nächsten Teil weiter behandelt  u.a. durch Auszüge aus der Festschrift zum 200. Geburtstag von Georg Simon Ohm, die vom Verein der Freunde, Förderer u. Ehemaligen der Georg-Simon-Ohm-Schule e.V., 1989 herausgegeben wurde.

Inhalt des Auszugs:

Die Vorgeschichte des Kölner Berufsschulwesens

Die Entwicklung der Berufsschulen bis zur eigenständigen Schule

Die Vorgeschichte des Kölner Berufsschulwesens


1. Geleitwort des Oberbürgermeisters

Unsere heutigen Gemeinwesen sind hochkomplexe Gebilde mit vielfältigen miteinander verflochtenen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen und  Einflüssen. Verantwortbare demokratische Entscheidungen sind auf ein hohes Maß an Einsicht in diese Strukturen angewiesen. Solche Einsichten zu bewirken ist heute eine der großen Herausforderungen für die Schule.

Vor diesem Hintergrund kann sich die Stadt Köln glücklich schätzen, allen Lernwilligen ein umfassendes Schul- und Bildungsangebot bieten zu können.

So versucht auch die Werner-von-Siemens-Schule, durch die Integration von beruflicher und allgemeiner Bildung mit ihrem nach Lernschwerpunkten und Abschlüssen umfassend strukturierten Bildungsangebot sich der Herausforderung zu stellen.

Im Mai dieses Jahres hatte ich erneut die Gelegenheit, diese Schule kennen zu lernen. Die nunmehr vorgelegte Schulchronik liefert allen Interessierten Einsichten in historische und gesellschaftliche Entwicklungen sowie detaillierte Informationen und Fakten über das Entstehen und Wachsen dieser Schule. Für diese informative Arbeit gebührt den Verfassern und Urhebern Dank.

Ich wünsche der Werner-von-Siemens-Schule, der ersten Kollegschule in Köln, auch weiterhin ein erfolgreiches Wirken und positive Entwicklung.

Norbert Burger, Oberbürgermeister der Stadt

 
2. Der Umbruch in der Ausbildung des Handwerkernachwuchses im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Die merkantilistische Gewerbepolitik der Fürsten hatte zu Beginn des 18. Jahrhunderts zahlreiche Bindungen der Zünfte aufgehoben bzw. gelockert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts forderten nun die Aufklärer nicht nur für den Menschen die “natürlichen Rechte“, sondern sie verlangten auch für die Wirtschaft völlige Freiheit, die in der Forderung des wirtschaftlichen Liberalismus nach dem Laissez-faire-Prinzip und in der Gewerbefreiheit ihren Höhepunkt fand. Das bedeutete die Beseitigung vieler Konzessionen, Privilegien und Reglementierungen der Zünfte; damit waren sie aber auch nicht mehr verpflichtet und in der Lage, Lehrlinge und Gesellen aus- bzw. fortzubilden und ihnen in Notfällen zu helfen.

Nach der Besetzung des linken Rheinufers durch die französischen Revolutionstruppen im Jahre 1794 wurden 1797 auch in Köln auf französischen Befehl die Zünfte durch die Munizipalverwaltung aufgelöst. Die verkündete Gewerbefreiheit machte in dieser Situation das Handwerk nicht frei, sondern hilflos. Die Bedeutung des Kölner Handwerks verfiel rasch, und die gewachsenen Quartiere der Handwerker verwahrlosten.

Auch nachdem das Rheinland 1815 der preußischen Monarchie einverleibt worden war, änderte dies nichts an der Situation des Handwerks, denn in Preußen waren ebenfalls 1810 die Gewerbefreiheit eingeführt und das Zunftwesen aufgelöst worden. Die alten Wirtschaftsformen waren gesprengt, und die seit dem Mittelalter praktizierte Meisterlehre für die Heranbildung des Berufsnachwuchses funktionierte aufgrund der jetzt mangelnden Zunftaufsicht nicht mehr. Dies alles und die bereits zu reichsstädtischer Zeit beginnende Industrialisierung bewirkten einen rapiden Verfall des handwerklichen Könnens.

Schon früh beabsichtigte die Staatsbehörde, über Schulgründungen sowohl die Möglichkeit der Nachqualifizierung zu schaffen als  auch jungen Menschen vor dem Eintritt in den Beruf die zur Berufsausübung notwendige fachliche Vorbildung zu vermitteln. Erste Bestrebungen, bereits im Jahre 1818 auch in Köln eine staatliche Handwerkerschule zu gründen, blieben zunächst erfolglos.



3. Erste Ansätze schulischer Berufsausbildung in Köln

Die erste in Köln gegründete “Elementar-Zeichenschule“ für “Bauleute und Professionisten“ basierte auf der Privatinitiative des Malers Ägidius Mengelberg. Die Staatsbehörde genehmigte sein Gesuch, und im November 1822 eröffnete er die Schule als Sonntagsschule mit den Unterrichtsfächern Zeichnen und Modellieren im Jesuitengebäude.

Die Kosten wurden durch private Mittel von Herrn Mengelberg, durch Zuschüsse der Regierung und der Stadt und durch geringe Schulgebühren gedeckt. Diese Privatschule fand großen Anklang, aber die Zahl der Freischüler überwog die der Zahlenden. Nur durch die kostenlose Überlassung von Unterrichtsräumen durch die Stadt konnte die “Mengelbergsche Anstalt“ finanziell überleben.

1827 wurde am Neumarkt eine weitere Privatschule unter dem Namen “Bau-und Gewerbeschule“ eröffnet. In der Folgezeit gründeten mehrere Vereine und Privatpersonen gleichfalls Handwerkerschulen, die berufsbezogenen Unterricht anboten. Erwähnenswert ist davon der Liberale Handwerkerverein, der von der Stadt 1846 Schulräume erbat, um seine Versammlungen nicht in Wirtshäusern abhalten zu müssen. Auch der 1849 von Adolf Kolping gegründete Gesellenverein, der eine Heimstatt für die Gesellen schuf, führte im Schulhaus Kolumbakirchhof handwerkliche Fortbildungskurse durch.



4. Die staatliche Provinzial-Gewerbeschule von 1833 bis 1879

Im Oktober 1833 erfolgte endlich die Eröffnung der seit langem geplanten staatlichen Schule in von der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen am Waidmarkt. Der in zweijährigen Lehrgängen durchgeführte Unterricht, der an die Elementarschule anschloss, sollte den “Zöglingen“ vor Eintritt in den praktischen Beruf eine vielseitige Ausbildung vermitteln. “Lehrgegenstände“ waren 4 Stunden praktisches Rechnen, 6 Stunden angewandte Geometrie, 6 Stunden Buchstabenrechnen, 14 Stunden Zeichnen und Modellieren und 6 Stunden Physik, Chemie und Mechanik.

1835 wurde der Provinzial-Gewerbeschule eine Sonntags- und Abendschule angegliedert, um den bereits als Gesellen und Lehrlinge Arbeitenden eine Ergänzung ihrer allgemeinen Vorbildung zu vermitteln.

Ab 1851 beteiligte sich die Stadt an den Schulkosten. Die Lehrgänge an der Provinzial-Gewerbeschule wurden auf 3 Jahre ausgedehnt und ab 1863 um eine dreijährige Vorschule ergänzt. Durch den Einzug in das neugebaute Gewerbeschulhaus an der Humboldtstraße konnte dann 1869 die jahrelange Raumnot behoben werden.

Im Jahre 1870 erfolgte eine durchgreifende Umorganisation der Schule mit der Aufgliederung in zwei Bereiche:

Eine obere Königliche Gewerbeschule mit einer technischen, einer bautechnischen und einer chemisch-technischen Abteilung und dem Ziel, führende Kräfte für die technischen Berufe heranzubilden.

Eine untere Städtische Gewerbeschule mit dem Ziel, den handwerklichen und kaufmännischen Nachwuchs zu fördern.

1879 wurde die Provinzial-Gewerbeschule in eine neunjährige, lateinlose Realschule umgewandelt, die 1881 ganz in den Besitz der Stadt überging und 1882 den Namen Oberrealschule erhielt. Damit hatte diese Schule ihren Charakter als Gewerbeschule für berufliche Bildung verloren.

Schulleiter der Provinzial-Gewerbeschule:
    Direktor Thomas Eschweiler           1833-1835
    Regierungs- und Baurat Hetzroth    1835-1846
    Regierungs- und Baurat Wiebe       1846-1848
    Regierungs- und Baurat Zwirner      1848-1851
    Direktor Dr. Backes                       1851-1877
    Direktor Dr. August                       1877-1879



5. Die Entwicklung der berufsbezogenen städtischen Schulen zwischen 1879 und 1911

Um das Vakuum auszugleichen, das bei der Umwandlung der Provinzial-Gewerbeschule in eine Realschule entstand, richtete die Stadt Köln auf Betreiben des Gewerbevereins im Dezember 1879 eine Gewerbliche Fachschule im Gebäude Kolumbakirchhof mit einer mechanisch-technischen, einer bautechnischen und einer kunstgewerblichen Abteilung ein. 1903 entstanden durch die Trennung der Abteilungen die staatliche Maschinenbauschule und die staatliche Baugewerkschule, aus denen sich später die Ingenieurschulen entwickelten, sowie die im städtischen Besitz verbleibende Kunstgewerbeschule, später dann unter dem Namen “Kölner Werkschulen“ bekannt. Alle diese Schulen wurden 1969 unter der einheitlichen Bezeichnung “Fachhochschule“ wieder zusammengefasst.

Bereits am 1. Mai 1880 wurde der Gewerblichen Fachschule eine Allgemeine Gewerbliche Fortbildungsschule angegliedert. Diese Neueröffnung der 1835 gegründeten Sonntags- und Abendschule, die gleichfalls durch die Umwandlung der Provinzial-Gewerbeschule in eine Realschule ihren Halt verloren hatte, war dringend notwendig geworden. In 14 Fachgruppen unterteilt, wurden zunächst nur die zeichnerischen Fächer sonntags von 8 bis 12 Uhr unterrichtet.

Die ersten Vorschriften über die Einrichtung von Fortbildungsschulen wurden 1874 vom preußischen Kultusminister erlassen. Nachdem die Zuständigkeit für die  Fortbildungsschulen 1885 vom Kultusminister zum Handelsminister gewechselt hatte, erließ dieser 1887 “Vorschriften für die Aufstellung von Lehrplänen und das Lehrverfahren in Deutsch und Rechnen an den vom Staat unterstützten Gewerblichen Fortbildungsschulen“.

Ab 1888 wurde dann, bedingt durch die Erweiterung des Unterrichtsangebotes um die Fächer Deutsch, Rechnen und Naturkunde, an zwei Abenden in der Woche von 19.30 bis 21.30 Uhr Unterricht erteilt. Im Herbst 1886 konnte die Allgemeine Gewerbliche Fortbildungsschule gemeinsam mit der Gewerblichen Fachschule ein neues Schulgebäude am Salierring beziehen.

Der dreijährige Besuch der Allgemeinen Gewerblichen Fortbildungsschule erfolgte auf freiwilliger Basis. Die inhaltliche Konzeption war weitgehend auf die Bedürfnisse des Handwerks zugeschnitten. Deshalb errichtete der Kaufmännische Verein 1888 eine Kaufmännische Fortbildungsschule, die 1891 von der Stadt übernommen wurde. Aus dieser Schule entstanden später die Allgemeine Kaufmännische Fortbildungsschule und die Höhere Kaufmännische Fortbildungsschule, aus denen ab 1920 alle Kaufmännischen Berufsschulen der Stadt Köln hervorgingen.

Das von der Stadt am 12. März 1903 erlassene „Ortsstatut“, welches alle männlichen Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter zum Besuch der neugegründeten, zweijährigen Gewerblichen Pflichtfortbildungsschule verpflichtete, war ein bedeutender Schritt für die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen. Die 1880 gegründete dreijährige Allgemeine Gewerbliche Fortbildungsschule blieb zunächst noch bestehen; ihr Besuch wurde als Ersatz für die zweijährige Gewerbliche Pflichtfortbildungsschule anerkannt.

1911 erfolgte die Vereinigung beider Fortbildungsschulen zu einer einheitlichen Gewerblichen Fortbildungsschule der Stadt Köln, die gleichzeitig wesentliche Umgestaltungen erfuhr.

Sowohl die Gewerbliche Fachschule wie die Gewerblichen Fortbildungsschulen wurden von 1879 bis 1906 von Direktor Friedrich Rornberg geleitet. Ihm folgte von 1906 bis 1910 für die Fortbildungsschulen Direktor Dr. Franz Kuypers. 1910 berief die Stadt Köln Direktor Karl Uhrmann zum Schulleiter.

Die Entwicklung der Berufsschulen bis zur eigenständigen Schule


6. Die Entwicklung der städtischen Schulen für die gewerblich-technische Berufsausbildung zwischen 1911 und 1926

Eine tiefgreifende Umorganisation erfuhr das Fortbildungsschulwesen in Preußen durch die vom Minister für Handel und Gewerbe am 1. Juli 1911 veröffentlichten “Bestimmungen über Einrichtungen und Lehrpläne Gewerblicher Fortbildungsschulen“.

Das führende und damit die Auswahl der Unterrichtsstoffe bestimmende Fach war nicht mehr Deutsch, sondern Berufs- und Bürgerkunde. Nicht mehr die Form der Vermittlung sollte bestimmend sein, sondern der zu vermittelnde Inhalt.

Neben der Berufs- und Bürgerkunde wurden die Fächer Rechnen, Zeichnen und Werkstattunterricht vermittelt, wobei die wöchentliche Unterrichtszeit durchschnittlich 6 Stunden betrug.

Die Bezeichnung der Unterrichtsfächer änderte sich etwa ab 1920. Unter dem Grundfach Gemeinschaftskunde entwickelten sich die Einzelfächer Bürgerkunde, Schriftverkehr und Religionslehre und unter dem Oberbegriff Werkkunde die Unterrichtsfächer Fachkunde, Fachrechnen, Fachzeichnen und Facharbeit.

Die landesweite Entwicklung bewirkte in Köln, dass im Jahre 1911 die dreijährige, freiwillige Fortbildungsschule und die zweijährige Pflichtfortbildungsschule zu einer Gewerblichen Fortbildungsschule der Stadt Köln vereinigt wurden.

Verbunden mit der Zusammenlegung waren die folgenden durchgreifenden, wesentlichen Änderungen:

—    Verlegung des Unterrichtes in die Tageszeit
—    Ausdehnung der Schulpflicht für alle auf drei Jahre
—    Anstellung vorwiegend hauptamtlicher Lehrkräfte
—    Einstellung geeigneter Fachkräfte für den Fachunterricht
—    Bildung von Fachklassen für unterschiedliche Berufsarten
—    Einrichtung von beruflich gegliederten Fachabteilungen
—    Schaffung eigener Schulräume

Wenn auch zunächst die Bezeichnung Fortbildungsschule beibehalten wurde, so trägt ab 1911 die Schule bereits alle Merkmale der späteren Berufsschulen. Das Jahr 1911 ist damit als Geburtsjahr der Kölner Berufsschulen zu werten.

Die bereits durch mehrere Eingemeindungen umliegender Vororte erheblich gewachsene Stadt Köln erfuhr 1914 erneut eine wesentliche Vergrößerung durch den Zugewinn der Stadt Mülheim und mehrerer rechtsrheinischer Orte. Noch im Jahre 1914 führte dies bereits zur ersten Schulteilung, und zwar in eine Gewerbliche Fortbildungsschule für Handwerkslehrlinge und in eine Gewerbliche Fortbildungsschule für Arbeiter.

Mit der Ausdehnung der Schulpflicht auf die weiblichen Handwerkslehrlinge begann 1915 der Aufbau der Berufsschule für Lehrmädchen, die 1921 auch für die jetzt berufsschulpflichtigen jugendlichen Arbeiterinnen zuständig wurde. Diese Schule wurde dann 1926 geteilt in eine Berufsschule für Lehrmädchen und in eine Hauswirtschaftliche Berufsschule.

Die Bezeichnung “Berufsschule“ wird erstmals im “Gewerbe und von 1921 verwendet mit der Folge, dass alle Fortbildungsschulen nunmehr Berufsschulen genannt werden.

Die Schülerzahl der Berufsschule für Handwerkslehrlinge war 1925 auf 8853 Schüler angewachsen. Noch im selben Jahr beschloss die Stadt die Teilung dieser Schule, die dann am 1. April 1926 vollzogen wurde. Eine der beiden neuen Schulen trug den bisherigen Namen “Berufsschule für Handwerkslehrlinge“ weiter, die andere Schule erhielt die Bezeichnung “Berufsschule für das Metallgewerbe“. Alle elektrotechnischen Lehrberufe wurden bei der Teilung der Berufsschule für das Metallgewerbe zugeordnet.

1920 erhielt Direktor Uhrmann die Ernennung zum städtischen Gewerbeschulrat. Sein Nachfolger in der Leitung der Berufsschule für Handwerkslehrlinge wurde Direktor Richard Malzkorn. Zum Schulleiter der 1926 abgeteilten Berufsschule für das Metallgewerbe wurde Direktor Robert Roemer ernannt.

Bei der Errichtung der Fachabteilungen im Jahre 1911 wurde auch eine für Elektrotechnik gebildet, die ab 1912 über Jahrzehnte von Herrn Fachvorsteher Wilhelm Blatzheim geleitet wurde, ein weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannter und hochgeschätzter Pädagoge. Da zu dieser Zeit noch keine staatliche Ausbildung für Berufsschullehrer existierte, soll an dieser Stelle am Beispiel von Wilhelm Blatzheim ein für die damalige Zeit typischer Weg zum Berufsschullehrer dargestellt werden.

Als Sohn eines Schlossermeisters erlernte der im Jahre 1879 in Godesberg geborene Wilhelm Blatzheim bei seinem Vater das Schlosserhandwerk. Bereits 1898 wandte er sich der Elektrotechnik zu. Von 1898 bis 1900 war er zunächst als Hilfsmonteur und dann als Monteur beim Installationsbüro der AEG in Köln tätig. Im Anschluss an den Militärdienst besuchte er bis 1904 die Maschinenbauschule in Köln. In den Jahren 1904 bis 1906 arbeitete er als Montageingenieur bei der Firma Helios in Ehrenfeld und bei der Firma Louis Welter, Elektrizitäts- und Hebezeuge AG.

Nach dem zweijährigen Besuch des Technikums in Mittweida kehrte er 1908 nach Köln zurück, arbeitete ein Jahr bei den Telefon- und Telegrafenwerken Mix und Genest und ab 1909 im Beleuchtungsdezernat der Eisenbahndirektion Köln.

Von 1912 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1946 — er blieb zwei Jahre über das 65. Lebensjahr hinaus im Schuldienst, um beim Wiederaufbau der Berufsschule nach dem zweiten Weltkrieg zu helfen — unterrichtete er zunächst als Gewerbeoberlehrer und ab 1926 als Fachvorsteher an der Berufsschule für das Metallgewerbe. Bis zu seinem Tode im April 1954 führte er bei der Handwerkskammer Köln weiter regelmäßig Meisterkurse durch.

Die von ihm verfassten fünf Bände der Fachbuchreihe “Fachkunde für Elektriker“ waren über eine sehr lange Zeit die Standardwerke in der Berufsausbildung für Elektroberufe, speziell für Elektroinstallateure.



7. Die Entwicklung der Berufsschule für das Metallgewerbe von 1926 bis 1952

Die am 1. April 1926 neu entstandene Berufsschule für das Metallgewerbe war auch für alle elektrotechnischen Lehrberufe zuständig, für alle Lehrberufe des metallverarbeitenden Handwerks und für alle Lehrberufe in der Eisenindustrie. Die Schule, die 1926 von 4128 Schülern besucht wurde, war in 13 Fachabteilungen gegliedert:

    Elektroinstallateure                               20   Klassen
    Elektromaschinenbauer                          8   Klassen
    Lehrlinge des Telegrafenbauamtes          3   Klassen

    Maschinenschlosser und Dreher            55   Klassen
    Gas- und Nasserinstallateure                20   Klassen
    Bau- und Kunstschlosser                      18   Klassen
    Kraftfahrzeugmechaniker                     12   Klassen
    Feinmechaniker                                     8   Klassen
    Maschinenzeichner                                 5   Klassen
    Former                                                 4   Klassen
    Modellbauer                                          3   Klassen
    Lehrlinge der Gummiindustrie                 2   Klassen
    Volontäre mit Obersekundareife             2    Klassen

Schulraumnot ist offensichtlich schon immer ein großes Problem der Berufsbildenden Schulen gewesen, denn die Berufsschule für das Metallgewerbe hatte nicht nur 13 Fachabteilungen, sondern auch 13 verschiedene Lernorte. In der Innenstadt wurde in 4 Schulgebäuden unterrichtet: in den Schulräumen Schwalbengasse 5, Krebsgasse 28/30 und Georgstraße 9/13 sowie in den Behelfsbauten Severinswall 50, in denen die Elektroinstallateure untergebracht waren. In Kölner Vororten, wie Bayenthal, Ehrenfeld, Nippes, Dellbrück, Poll usw., wurden insgesamt 9 Außenstellen genutzt. Die durchschnittlich erteilten Unterrichtsstunden pro Woche betrugen im Innenstadtbereich 8 und in den Vororten 6 Stunden.

Das ehemalige Kasernengebäude in der Ulrichgasse, welches zwischen 1874 und 1877 erbaut worden war und im Frühjahr 1926 von den britischen Besatzungstruppen geräumt wurde, stand nach einem umfangreichen Umbau ab 1929 sowohl der Berufsschule für Handwerkslehrlinge als auch der Berufsschule für das Metallgewerbe zur Verfügung. Die Berufsschule für das Metallgewerbe verlegte mehrere Fachabteilungen in die Ulrichgasse, wo ihr 18 Schulsäle, 7 Werkstätten und viele Nebenräume wie Bücherei, Leseraum, Vortrags- und Musiksaal, Turnhalle und Verwaltungsräume zugewiesen wurden. Auch die elektrotechnischen Fachklassen zogen vom Severinswall in die Ulrichgasse um, wo sie unter anderem ein von der Firma Siemens und Halske eingerichtetes Laboratorium nutzen kannten.

Um begabten Lehrlingen im Anschluss an die Lehrzeit den Besuch einer Fachschule zu ermöglichen, richtete die Schule “wahlfreie Lehrgänge“ für Deutsch, Mathematik, Physik und Projektionszeichnen ein.

Die Lehrlinge vor den “mannigfachen sittlichen Gefahren, die der heranwachsenden Jugend in der Großstadt drohen“, zu bewahren, galt als besonders wichtige Aufgabe der “Erziehungsarbejt“. Als unterstützende Begleitmaßnahmen dienten Elternabende, wöchentliche Veranstaltungen mit Theateraufführungen, Musikvorträgen, Dichterlesungen und die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wie auch der aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch zusammengesetzte Fachbeirat.

Das Lehrerkollegium der  Berufsschule für das Metallgewerbe im Jahre 1929:

Direktor:  Robert Roemer
Direktorstellvertreter: Viktor Tersluisen

Hauptamtliche Lehrer:
Fachvorsteher:           
                    Blatzheim, Wilhelm
                    Cüppers, Peter
                    Heibertshausen, Fritz
                    König, Karl
                    Meuser, Josef
                    Rubruck, Ludwig

Gewerbeoberlehrer:        
                    Bausler, Heinrich
                    Bender, Josef
                    Blatzheim, Hermann
                    Buschmann, Arnold
                    Dehmlow, Martin
                    Eisenbrandt, Max
                    Fischer, Friedrich
                    Gernhard, Gottlieb
                    Haaser, Wilhelm
                    Hintzen, Wilhelm
                    Hitzel, Karl
                    Klein, Hermann
                    Kloth, Hans, Dr.
                    Lukosch, Joseph
                    Mennicken, Theodor, Dr.
                    Mertin, Peter
                    Pfeiffer, Ewald
                    Pohl, Hubert
                    Rademacher, Otto, Dr.
                    Reinhardt, Fritz, Dipl.-Ing.
                    Reuter, Heinrich
                    Sauerwein, Franz
                    Scholl, Hugo
                    Ulfers, Gerhard, Dipl.-Ing.
                    Vent, August
                    Weber, Wilhelm
                    Woltering, Karl, Dipl.-Ing.
                    Zimmermann, Chrysant

Nebenamtliche Lehrer:   
                    Coordt, Karl, Rektor
                    Doudlet, Ernst, Ingenieur
                    Görz, Georg, Volksschullehrer
                    Graff, Anton, Dr.rer.pol.
                    Güllmann, Theo, Ing.
                    Güssgen, Hans, Gewerbeoberlehrer
                    Jaenicke, Erich, Ing.
                    Ingenhoven, Wilhelm, Ing.
                    Kreutz, Heinrich, Ing.
                    Lohmann, Heinrich, Ing.
                    Klein, Wilhelm, Gewerbeoberlehrer.
                    Lingens, Philipp, M.sch.L. (?)
                    Lippold, Heinrich, Ing.
                    Müller, Heinrich, Ing.
                    Niesen, Johann, Gewerbeoberlehrer
                    Oberreuter, Otto, Mittelschullehrer
                    Offermann, Johann, Volksschullehrer
                    Pfestorf, Karl, Student
                    Pütz, Leonhard, Ingenieur
                    Robens, Otto, Ingenieur
                    Schmitz, Karl, Rektor
                    Schneider, Theodor, Volksschullehrer
                    Simon, Hans, Ingenieur
                    Steffen, Alexander, Ingenieur
                    Stümges, Erich, Gewerbeoberlehrer
                    Walter, Wilhelm, Volksschullehrer
                    Weinheimer, Heinrich, Volksschullehrer
                    Worringen, Joseph, Gewerbeoberlehrer
                    Wucherpfenning, Leo, Gewerbeoberlehrer

Bis zum Jahre 1929 war die Zahl der Gewerblichen Berufsschulen auf 7 angewachsen, die der Kaufmännischen Berufsschulen auf 4.
Die Schulverwaltung für alle Berufsschulen und Fachschulen in Köln war zu dieser Zeit wie folgt besetzt:

Dezernent: Beigeordneter Dr. Löhe
Gewerbeschulrat: Karl Uhrmann

Dezernatsbüro:
Büro-Oberinspektor    Henken         (Bürovorsteher)
Büro-Inspektor          Rautenberg    (stv. Bürovorsteher)

Oberstadtsekretär         Bungert
Oberstadtsekretär         Cekau
Oberstadtsekretär         Land
Oberstadtsekretär         Brunnen
Oberstadtsekretär         Neunzig
Oberstadtsekretär         Breidenbach
Oberstadtsekretär         Pallien
Stadtsekretär               Schwarz
Stadtsekretär               Küpper
Stadtsekretär               Kirsch
Kfm. Bürogehilfe          Kuchenbuch
Kfm. Bürogehilfe          Kiefernagel
Stenotypistin                Dubbelfeld

Während der nationalsozialistischen Zeit änderte sich nichts an der Struktur der Gewerblichen Berufsschule für das Metallgewerbe, es gab jedoch mehrere personelle Änderungen, vor allem in der Schulleitung.
Als ehemaliger Stadtverordneter des Zentrums wurde Direktor Roemer seines Amtes als Schulleiter enthoben; er durfte jedoch bis Kriegsende im Raum Essen als Gewerbeoberlehrer weiter unterrichten. Die Leitung der Schule wurde zunächst dem NSDAP - Mitglied Schumacher übertragen, der jedoch nach ca. 3 Jahren wieder zuriickversetzt wurde, da er dieser Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen war. 1938 übernahm dann Willi Bubenzer die Leitung der Berufsschule für das Metallgewerbe. Als einfaches Parteimitglied war er aufgrund seiner beruflichen Fähigkeiten parteipolitisch stärker Als Folge des Krieges waren nicht nur die noch stehengebliebenen Schul- und Wohngebäude in einem sehr schlechten Zustand, auch Kleidung und Ernährung waren völlig unzureichend. Auf Veranlassung der Militärverwaltung wurde deshalb in allen Schulen die “Schulspeisung“ durchgeführt, die vorwiegend aus gesüßter Biskuit- und Maissuppe bestand. Einfachste Essbehälter wie Kochgeschirre und Aluminiumtöpfe mussten die Schüler von zu Hause mitbringen.

Robert Roemer übernahm wieder die Schulleitung, erster stellvertretender Schulleiter wurde 1950 der erst kurz vorher aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Wilhelm Haaser, der bereits 1929 zum Lehrerkollegium der Schule gehört hatte.

Nach der Währungsreform nahm die Zahl der Lehrlinge im Elektrobereich wie überhaupt im gesamten Metallbereich stark zu. Der hierdurch entstandene hohe Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften konnte nur durch Versetzungen von anderen Schulen gedeckt werden, da die Gewerbelehrerausbildung gerade erst wieder begonnen hatte.

Von der Berufsschule für Arbeiter wechselte der spätere Fachvorsteher Heinrich Gladbach an die Schule, wo er ab 1950 die neu eingerichtete Berufsaufbauschule leitete.

Einer statistischen Erhebung des Regierungspräsidenten in Köln aus den Jahren 1949/50 sind die folgenden Daten entnommen:

An allen Berufsschulen des Regierungsbezirkes waren am 1.1.1950 insgesamt 462 hauptamtliche Lehrkräfte tätig, die ein Durchschnittsalter von 47 Jahren hatten. Zusätzlich unterrichteten 225 nebenberufliche und nebenamtliche Lehrkräfte, wobei die durchschnittliche Unterrichtszeit 7 Stunden pro Woche betrug.

Deutlich über dem Durchschnitt lag die Überalterung der Lehrkräfte in Köln, wo das Durchschnittsalter 52 Jahre betrug und kein Lehrer jünger als 30 Jahre war.

Diese Altersstruktur und die hohe Zahl der nichtbesetzten Planstellen bedeuteten für den damals sich im Studium befindlichen Lehrernachwuchs die sofortige Übernahme in den Schuldienst sowie günstige Aufstiegschancen.

An der Berufsschule für das Metallgewerbe wurden 1950 134 Fachklassen geführt. Die Gesamtzahl der wöchentlich unterrichteten Stunden betrug 868, von denen die hauptamtlichen Lehrer 738, die nebenamtlichen 95 und die nebenberuflichen 35 erteilten. Insgesamt 13 Klassen mit 246 Schülern nahmen an zusätzlichen Bildungsmaßnahmen teil. Von der Schülerzahl her war die Berufsschule für das Metallgewerbe 1950 die größte der insgesamt 28 öffentlichen Berufsschulen des Regierungsbezirkes. Soweit aus der Statistik des Regierungspräsidenten.

Das Lehrerkollegium der Berufsschule für das Metallgewerbe im Jahr 1950:

Schulleiter:                              Robert Roemer
Stellvertretender Schulleiter:    Wilhelm Haaser   

Fachvorsteher:                        Fischer, Fritz
                                             Gernhard, Gottlieb
                                             Hintzen, Wilhelm
                                             Klein, Hermann

Gewerbeoberlehrer:                 Bausler, Heinrich
                                             Bender, Josef
                                             Bährend, Günter
                                             Blatzheim, Hermann
                                             Bubenzer, Willi
                                             Diefenbach, Fritz
                                             Eisenbrand, Max
                                             Gladbach, Heinrich
                                             Griesberg, Matthias
                                             Güssgen, Hans
                                             Ingenhoven, Wilhelm
                                             Jacobi, Hans
                                             Krüper, Franz
                                             Dr. Lehmann-Oliva, Wilhelm
                                             Melchers, Wolfgang
                                             Meyer, Louis
                                             Müller, Heinrich
                                             Pfeifer, Ewald
                                             Reske, Karl
                                             Reuter, Heinrich
                                             von der Ruhr, Walter
                                             Straub, Ernst
                                             Torwesten, Josef
                                             Volz, August
                                             Weber, Walter
                                             Weber, Wilhelm
                                             Weier, Ulrich
                                             Westorf, Peter
                                             Will, Josef
                                             Zillecken

Gewerbelehrer:                     Blick, Wilhelm

Religionslehrer:                       Erpenbach, Hans
                                            Kaiser, Fritz
                                            Lövenich, Theo
                                            Trilsbach, Heinrich
                                            Weber, Alfred

Zwei Ereignisse leiteten 1952 eine neue Entwicklung ein. Direktor Robert Roemer wurde pensioniert, und die Berufsschule für das Metallgewerbe wurde in zwei neue Berufsschulen geteilt.

Die Berufsschule für Maschinen- und Stahlbau wurde im Volksschulgebäude Westerwaldstraße untergebracht. Die Leitung der Schule übernahm Direktor Wilhelm Bubenzer, der nach dem Kriege aufgrund seiner Parteizugehörigkeit zunächst nicht als Schulleiter, sondern als Gewerbeoberlehrer eingestellt worden war. Nach dem plötzlichen Tod von Wilhelm Bubenzer, der als Fußgänger bei einem Verkehrsunfall im Jahre 1963 starb, leitete Josef Reifferscheidt von 1964 bis 1983 diese Schule.

Als zweite Nachfolgerschule der Berufsschule für das Metallgewerbe entstand 1952 die Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation.

8. Die Entwicklung der Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation von 1952 bis 1963

Schulleiter der neu entstandenen Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation wurde Direktor Wilhelm Haaser, der seit 1950 stellvertretender Schulleiter der Berufsschule für das Metallgewerbe war. Wilhelm Haaser war ein durch langjährige Berufstätigkeit und durch die Kriegsereignisse gereifter Pädagoge und eine durch die Kriegsgefangenschaft in sich gefestigte Persönlichkeit, die alle sachlichen und menschlichen Probleme nüchtern wertete und schulische Vorgänge abgeklärt und realistisch beurteilte. Er praktizierte mit dem ihm angeborenen Mutterwitz und aufgrund seiner Erfahrungen einen Führungsstil, der ein harmonisches und angenehmes Betriebsklima schuf und die pädagogische Arbeit an der Schule positiv beeinflußte.
Hier könnte eine der Wurzeln dafir zu finden sein, daß aus dem Kollegium zur Zeit Wilhelm Haasers später 18 Kollegen in Leitungsfunktionen tätig waren. Die hier beispielhaft genannten Lehrer unterrichteten zur Zeit Wilhelm Haasers bereits viele Jahre an der Schule:

Dr. Adolph, Gottfried wurde 1969 als Oberstudiendirektor Schulleiter der Berufsbildenden Schule für Elektrotechnik und Elektronik und 1973 Seminarleiter des Bezirksseminars Köln

Blick, Wilhelm wurde 1964 als Oberstudiendirektor Schulleiter der Berufsbildenden Schule für Kraftfahrzeugtechnik in Köln

Kaltenthaler, Paul wurde 1965 als Oberstudiendirektor Schulleiter der Berufsbildenden Schule des Erftkreises in Wesseling

Dr. Lehmann-Oliva, Wilhelm wurde 1963 als Leitender Regierungsschuldirektor Dezernent für Gewerbliche Berufsschulen und Berufsfachschulen beim Regierungspräsidenten in Köln

Lersch, Peter wurde 1964 als Oberstudiendirektor Schulleiter der Berufsbildenden Schule für Mechanik und Fernmeldetechnik in Köln

Wiosna, Kurt wurde 1972 als Leitender Regierungsschuldirektor Dezernent für Gewerbliche Berufsschulen und Berufsfachschulen beim Regierungspräsidenten in Köln

Die enge und von gegenseitigem Vertrauen getragene Zusammenarbeit der Schule mit den Lehrbetrieben, den Innungen, der Kreishandwerkerschaft und den Kammern war für Direktor Haaser eine unabdingbare Notwendigkeit, um zu erreichen, dass alle Lehrlinge, die gleichzeitig Berufsschüler waren, ihre Ausbildung ganzheitlich erleben sollten.
Welche Wertschätzung die Berufsbildenden Schulen der Stadt Köln in den 50er Jahren im Handwerk und bei den Kammern fanden, wird durch die folgenden Zitate aus dem Jahre 1953 deutlich.

Kreishandwerksmeister Muhr: „Als einer der treuesten Weggenossen in der handwerklichen Entwicklung der letzten sechzig Jahre sehen wir die Berufsschule im allgemeinen und die Gewerbliche Berufsschule der Stadt Köln im besonderen, die in stiller und selbstloser Pflichterfüllung dem Handwerk diente, und die wir Handwerker, das möchte ich hier einmal aussprechen, voll Dank und Stolz unsere Schule nennen“; und Dipl.-Ing. Woltering, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Köln, Abteilung Berufsausbildung: “Aus kleinen Anfängen haben sich die Berufsschulen zu Schulen ersten Ranges entwickelt und legen das geistige Fundament für die praktische Ausbildung“.


Der 1952 neu gegebene Name “Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation“ weist bereits aus, dass sich die Schule in drei große Abteilungen gliederte:
Eine Abteilung für Mechanik mit den Ausbildungsberufen Feinmechaniker, Büromaschinenmechaniker, Kraftfahrzeugmechaniker und Kraftfahrzeugschlosser

Eine Abteilung für Elektrotechnik mit den Ausbildungsberufen Elektroinstallateure, Elektromaschinenbauer, Starkstromelektriker, Fernmeldeelektriker und Kraftfahrzeugelektriker

Eine Abteilung für Installation mit den Ausbildungsberufen Gas- und Wasserinstallateure und Heizungsbauer


Die Fachklassen für Tankwarte und Vulkaniseure waren keiner der drei Abteilungen sinnvoll zuzuordnen.

Auch die bereits 1950 eingerichtete Berufsaufbauschule kam bei der Schulteilung zur Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation.

Die Raumsituation der Schule blieb nach wie vor trostlos. Das Hauptgebäude mit dem Sitz der Schulverwaltung blieb in der Frankstraße 26, welches zwischenzeitlich notdürftig instand gesetzt worden war. Daneben mussten mehrere Außenstellen geführt werden.

Im Spätherbst 1953 wurde endlich das neue, moderne Schulgebäude in der Eitorfer Straße bezugsfertig. Dieses Gebäude teilten sich dann als Hauptsitz die Berufsschule für Maschinen- und Stahlbau und die Berufsschule für Mechanik, Elektrotechnik und Installation, ohne auch jetzt auf Außenstellen verzichten zu können.

In der Eitorfer Straße erhielt die Schule 2 Klassenräume im Erdgeschoss, 6 Klassenräume auf der dritten Etage, 2 Verwaltungsräume und ein schmales Lehrerzimmer. Als Außenstelle wurden Klassenräume in der Westerwaldstraße und im Gebäude der Frankstraße genutzt.

Bedingt durch die ständig steigenden Lehrlingszahlen, wurde im Hauptgebäude teilweise in drei Schichten unterrichtet:
                1.    Schicht    07.30-10.45 Uhr
                2.    Schicht    10.45-13.15 Uhr
                3.    Schicht    14.00-18.00 Uhr

Im Jahre 1954 beschloss die Stadt Köln, die Fachklassen der Gas- und Wasserinstallateure der Berufsschule für das Baugewerbe zuzuweisen. Die Begründung, diese Berufe seien sachlogisch sinnvoller dem Baugewerbe zuzuordnen, war wenig überzeugend. Die durch die 1952 erfolgte Schulteilung der Berufsschule für Handwerkslehrlinge in der Ulrichgasse entstandenen Berufsschulen für das gestaltende Handwerk und für das Bau- und Baunebengewerbe bedurften offenbar einer “Blutzufuhr“. Langgediente Kollegen der Abteilung für Installation, wie die Herren Eisenbrand, Fischer, Meyer und Westorf, wurden relativ kurz vor ihrer Pensionierung durch die neue Zuordnung der Installationsabteilung mit zur Ulrichgasse versetzt, was für sie sehr bitter war.

1956 wurden dann die Fachklassen für Tankwarte und Vulkaniseure der neuen Berufsschule für das gestaltende Handwerk (Farb- und Raumgestaltung, grafisches Gewerbe, Chemie- und Laborberufe) zugewiesen.

Die Verlegung der Abteilung für Installation und der Fachklassen für Tankwarte und Vulkaniseure an andere Schulen hatte zur Folge, dass die Kennzeichnung “Installation“ nicht mehr zum Schulnamen gehörte. Ab jetzt lautete die Schulbezeichnung “Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik“.

Die bis zum Jahre 1920 von mir zusammengestellten Fakten sind weitgehend Unterlagen des Historischen Archivs in Köln entnommen. Ab etwa 1920 kenne ich viele Zusammenhänge und Ereignisse aus Berichten älterer Kollegen und von Kindheit an aus Erzählungen meines Vaters, der in den 20er Jahren seine Lehrertätigkeit an der Berufsschule für Handwerkslehrlinge begann. Bereits während meines Studiums unterrichtete ich ab 1954 zunächst 18 Wochenstunden an der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik. Ab dieser Zeit kann ich viele noch zu berichtende Entwicklungen und Erlebnisse aus eigener Anschauung und aus eigenem Miterleben beschreiben.

Mit Freude und mit einer gewissen Wehmut erinnere ich mich z.B. an eine praktizierte Gewohnheit, die das innere “Betriebsklima“ des Kollegiums in besonderem Maße förderte und allen Beteiligten angenehme Stunden bereitete. Nach jeder Lehrerkonferenz wurde als letzter “Tagesordnungspunkt“ der Name des Gasthauses mitgeteilt, in welchem die “Nachlese“ stattfand. Bei Kölsch, lebhafter und fröhlicher Unterhaltung wurde es dann oft Mitternacht oder auch “früher“. Zu dieser Zeit hatten nur drei Kollegen ein eigenes Auto. Je mehr Lehrer sich dann in den nächsten Jahren ein Auto zulegten, desto mehr ging der Brauch, nach Konferenzen zusammen ein Kölsch zu trinken, verloren. Auch hier zeigt sich wieder einmal deutlich, dass der Fortschritt nicht nur Verbesserungen bewirkt.
Die jährlichen Lehrerausflüge in die Eifel, den Westerwald, an die Mosel usw. wurden immer mit großen Wandereinlagen durchgeführt. Grundsätzlich waren bei diesen Veranstaltungen auch alle Ehepartner eingeladen. Kollege Lorenz Wißkirchen, der sein Leben lang Mitglied des Kölner Männergesangvereins war, brachte oft sowohl beim gemeinsamen Mittagessen als auch bei der abendlichen Einkehr Solobeiträge zum Vortrag. Nicht selten wurde auf der Rückfahrt nach Köln in heiterer Stimmung laut und lange gesungen.

Unvergessen ist der Lehrerausflug des Sommers 1956. Die Schule hatte ein kleines Rheinschiff namens ‘Stromer‘ komplett gemietet. Mit diesem Schiff wurde eine urige Rheinfahrt zum Siebengebirge unternommen. Zu dieser Fahrt nahmen einige Kollegen auch ihre Kinder mit.

Die jährlich gefeierten Karnevalsfeste, sowohl die als Sitzung organisierten wie die als Kostümfest durchgeführten, brachten immer eine “Bombenstimmung“ und vergnügte Stunden. Das Programm bei den Sitzungen wurde ausschließlich durch Beiträge eigener Kollegen gestaltet. Als Mitwirkende bewährten sich besonders die Kollegen Gottfried Adolph, Wilhelm Blick, Hans Erpenbach, Paul Kaltenthaler, Willi Körsgen und Kurt Wiosna.

Auch die zu besonderen Anlässen durchgeführten evangelischen und katholischen Schulgottesdienste verdienen besondere Beachtung. Während der evangelische Gottesdienst wegen der geringeren Schülerzahl in einem Klassenraum stattfand, diente für den katholischen Gottesdienst als äußerer Rahmen der lange Flur im Hauptgebäude. Schüler und Lehrer standen rechts und links von einem in der Mitte des Flures provisorisch aufgebauten Altar in den beiden Ganghälften. Meist hielt Kollege Hans Erpenbach die Messe, und Kollege Peter Keller organisierte, oft selber am Klavier aktiv, die musikalische Begleitung der Gesänge.

Bei Innungsveranstaltungen, wie Lossprechungsfeiern oder Frühlingsfesten, waren alle Kollegen, die in den Fachklassen für die entsprechende Innung unterrichteten, mit ihren Ehepartnern bei den geladenen Gästen. Auch solche gesellschaftlichen Aktivitäten beeinflussten das Verhältnis zwischen Schule und Innung äußerst positiv. Selbst an den nur für Innungsmitglieder organisierten Fahrten zu großen Elektrofirmen, die Kabel, Schaltgeräte oder Installationsmaterjal herstellten, nahmen die Fachlehrer der Schule oft teil. So waren bereits in den 50er Jahren, als die Gesellenprüfungsausschüsse noch ohne Beteiligung der Lehrer besetzt waren, in Köln die Lehrer immer geladene Gäste.

Dass vieles von dem hier Geschilderten nach und nach verloren - ging, hat nach meiner Beurteilung mehrere Ursachen. Die schnell wachsende Schule mit den noch folgenden Schulteilungen hat lange gewachsene Strukturen nicht bewahren können. Später wuchs die Größe des Kollegiums so stark an, dass das Konferenzzimmer fast zu klein wurde und auch Veranstaltungen zusammen mit Ehepartnern von der Zahl her kaum noch möglich waren. Außerdem stieg die Belastung vieler Kollegen durch immer neue Aufgaben so stark, dass sowohl die Muße als auch die Bereitschaft nachließ, sich aktiv an Veranstaltungen zu beteiligen. Speziell unsere Schule leidet seit ihrem Bestehen an ihrer völlig unzureichenden Unterbringung. So stand und steht z.B. ein eigener Raum für Gemeinschaftsveranstaltungen bisher nicht zur Verfügung.

Zurück zur weiteren Schulentwicklung: Im Laufe der nächsten Jahre wurden in der Eitorfer Straße viele Baumaßnahmen durchgeführt. Große Beachtung auch außerhalb Kölns fand das 1956 fertiggestellte und von beiden Schulen genutzte Werkstattgebäude. Die Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik erhielt in dem Werkstattgebäude eine Elektrowerkstatt, eine Werkstatt für Mechanik, eine Kraftfahrzeugwerkstatt, einen provisorischen Klassenraum und einen Vorführraum. Der Vorführraum hatte eine Art “Drehbühne“, um die eine feste Bestuhlung halbkreisförmig aufsteigend angeordnet war. Aus den umliegenden Werkstätten konnten Motoren und Werkzeugmaschinen auf die “Drehbühne“ gefahren werden. Bei Vorführungen und Demonstrationen mit diesen Maschinen saß keiner der beobachtenden Schüler weiter als 3 m vom Geschehen entfernt.

Trotz dieses neuen Werkstattgebäudes war der Raummangel, bedingt durch weiter angestiegene Schülerzahlen, eher größer geworden. Dadurch reichte der schon zur Gewohnheit gewordene Schichtunterricht ab 1957 nicht mehr aus, das Raumproblem zu lösen. Deshalb wurden in der Berufsschule Perlengraben, in der Volksschule Altonaer Straße in Longerich und im Gymnasium Gotenring in Deutz nachmittags Unterrichtsräume zur Verfügung gestellt. Von der Außenstelle Gymnasium Deutz waren es nur wenige Schritte bis zu der im Bau befindlichen Severinsbrücke, so dass Schüler und Lehrer bei gutem Wetter in den Schulpausen das Wachsen der Brücke verfolgen konnten.

Ein damals schon lange pensionerter Volksschulrektor, Adolf Außeni, der als nebenamtlicher Lehrer in der Außenstelle Gotenring Rechnen und Biirgerkunde unterrichtete, animierte bei warmem Sommerwetter die aus seiner Sicht viel jüngeren Kollegen im Anschluß an den Unterricht zu einem Glas K6lsch. In dem “Ersatzlehrerzimmer“ Gotenklause war nicht zu verhindern, daß Kollege Außem immer die Gesamtrechnuflg bezahlte. “Ihr jungen Leute habt weniger Geld als ich und braucht es nötiger. Selber bin ich auf die zusätzlich zu meiner Pension gezahlten Nebeneinkünfte für meinen Unterricht nicht angewiesen. Ich unterrichte nur deshalb, weil noch Lehrermangel besteht und, wenn ich zu Hause bliebe, meine Frau für mich weniger reizvolle Aufgaben hätte“.

Das Lehrerkollegium der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik im Jahre 1958: (Stichtag 1.4.1958)

Hauptamtliche Lehrer:  
                    Adolph, Gottfried
                    Bärend, Günter
                    Beierle, Gerhard
                    Blick, Wilhelm
                    Burkhart, Erich
                    Erpenbach, Hans
                    Gladbach, Heinrich
                    Güssgen, Hans
                    Haase, Hans
                    Kaiser, Friedel
                    Kaltenthaler, Paul
                    Keller, Peter
                    Dr. von Kracht, Ulrich
                    Kriegsmann, Günter
                    Dr. Lehmann-Oliva, Wilhelm
                    Lersch, Peter
                    Lütjen, Dietrich
                    Marwitz, Günter
                    Nagel, Hans
                    Reske, Karl
                    Schüßler, Willi
                    Sterz, Heinz
                    Stinner, Ernst
                    Tötemeyer, Hans-Günther
                    Wiosna, Kurt
                    Wißkirchen, Lorenz

Nebenamtliche und nebenberufliche Lehrer:    
                    Außem, Adolf
                    Giese, Wilhelm
                    Goeke, Karl-Josef
                    Graeber, Hans
                    Grünewald, Hans
                    Körsgen, Willi
                    Müller, Karl-Heinz
                    Müller, Julius
                    Panzer, Walter
                    Porombka, Reiner
                    Dr. Schmitthals, Otto
                    Schmitt, Heinrich
                    Schneider, Josef
                    Stockmann, Paul
                    Dr. Wedig, Ernst
                    Welter, Wilhelm
                    Dr. Weingärtner, Georg

Am 1.10.1959 wurden alle Lehrer der Kölner Berufsbildenden Schulen, die bis zu diesem Zeitpunkt städtische Beamte waren und somit von der Stadt besoldet wurden, unter Beibehaltung der bisherigen Besoldungseinstufung von der Landesregierung als Landesbeamte übernommen. Für die Kollegen, die beim Kranken-Unterstützungs-Verein für Beamte, Lehrende und Angestellte der Stadt Köln versichert waren, war dies mit einem finanziellen Nachteil verbunden. Sie konnten zwar Mitglied bleiben, mussten jedoch ab jetzt den städtischen Zuschuss zum monatlichen Beitrag, den die Stadt für alle städtischen Bedienstete zahlte, selber tragen.

1957 begannen dann die Bauarbeiten für den dritten Bauabschnitt in Köln-Deutz mit dem Ziel, der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik endlich ein eigenes Schulgebäude zu erstellen. In den Osterferien 1960 zog die Schule in dieses Gebäude ein. Das neue Schulgebäude wurde mit dem im ersten Bauabschnitt fertiggestellten Gebäude, welches ab jetzt der Berufsschule für Maschinen- und Stahlbau allein zur Verfügung stand, durch einen gemeinsamen Verwaltungstrakt mit den Geschäftszimmern, den Dienstzimmern für die Schulleiter und ihre Stellvertreter und den Hausmeisterlogen verbunden.

Über diesem Verwaltungstrakt befindet sich im 1 . Stockwerk ein von beiden Schulen gemeinsam genutztes, großes Konferenzzimmer, und im 2. Stockwerk steht beiden Schulen ein großer Physiksaal zur Verfügung.

Im Neubau verfügte die Schule für Mechanik und Elektrotechnik über folgende Räume:
    19    Klassenräume              1    Lehrerzimmer
    11    Sammlungsräume        1    große Pausenhalle
      1    kleiner Physiksaal               mehrere Nebenräume
      1    ev. Religionsraum               mehrere Aktenkeller

Die 9 Sammlungsräume sind so angeordnet, dass sie jeweils zwei Klassenräume miteinander verbinden und nur durch diese erreichbar sind.

Bei allen Kölner Schulneubauten nach dem Kriege war es üblich, 1 % der Bausumme für ein Kunstwerk auszugeben. Für diesen Neubau war eine überdimensionale, flächige Metallplastik vorgesehen. Was diese Plastik darstellen sollte, wusste vielleicht nur der Künstler. Die massive Ablehnung, die dieses “Kunstwerk“ durch Herrn Haaser erfuhr, war jedoch vorwiegend in der schlechten handwerklichen Qualität der Arbeit begründet, wie in der unsachgemäßen Metallverarbeitung und in den nicht fachgerechten Schweißarbeiten. Eine solche Arbeit war für ihn einfach schlecht und somit für eine Berufsschule nicht akzeptabel. Bei einer gemeinsamen Besichtigung dieser im Keller des Johannishauses lagernden Plastik fand die Entscheidung von Herrn Haaser die volle Zustimmung des ganzen Kollegiums.

Am 31. März 1963 wurde Direktor Wilhelm Haaser in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Noch vor der Wahl seines Nachfolgers entschied der Kölner Stadtrat, die Schule zu teilen, wodurch zwei Nachfolger notwendig wurden.


9. Die Entwicklung der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik von 1963 bis 1969

Bei der erneuten Schulteilung erhielten die Schulen die Bezeichnung “Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik“ und “Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik“.

Da die Zustimmung der Regierung zur 1963 beschlossenen Schulteilung noch ausstand, leitete vom 1.4.1963 bis zum 8.10.1963 zunächst Josef Will in seiner Eigenschaft als steilvertretender Schulleiter die Schule.

Kollege Peter Lersch erhielt dann am 8.10.1963 die Ernennungsurkunde zum Schulleiter der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik. Bis zur Ernennung des Kollegen Wilhelm Blick zum Schulleiter der Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik am 19.5.1964 leitete Peter Lersch offiziell die Kfz-Schule mit, de facto wurde sie jedoch von Josef Will geführt, der bis zu seiner Pensionierung im Juni 1966 stellvertretender Schulleiter der Kfz-Schule blieb. Noch im gleichen Jahr wurde Willi Schüßler sein Nachfolger.

Bis zum Einzug der Berufsschule für Kfz-Technik in ihr eigenes Schulgebäude im Jahre 1967 blieben die beiden geteilten Schulen noch unter einem Dach, wobei die Raumverhältnisse von Jahr zu Jahr bedrückender wurden. Als das neue Schulgebäude bezogen werden konnte, war es für die Bedürfnisse der Kfz-Schule viel zu groß, dadurch konnte die Schule dieses nicht voll nutzen. Deshalb mussten 10 Klassenräume an die Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik abgetreten werden. In diese Räume zogen vorwiegend die Fachklassen ein, die nach der noch folgenden Schulteilung im Jahre 1969 den Kern unserer Schule bildeten.

Nachdem Wilhelm Blick 1977 aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden war, leitete Willi Schüßler komissarisch die Schule, bis er 1979 als Oberstudiendirektor zum Schulleiter der Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik ernannt wurde. Stellvertretender Schulleiter der Schule wurde 1980 Heinrich Schmidt.

Bei der Schulteilung wurden der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik die Berufsschulklassen für die Lehrberufe Büromaschinenmechaniker, Elektroinstallateure, Elektromaschinenbauer, Elektromaschinenwickler, Elektromechaniker, Fernmeldehandwerker, Fernmeldemechaniker, Feinmechaniker, Mechaniker, Radio- und Fernsehmechaniker und Starkstromelektriker sowie die Berufsaufbauschule zugeordnet.

Fachvorsteher Heinrich Gladbach wurde am 1.4.1964 stellvertretender Schulleiter. Nach wie vor war er für die 1950 gegründete Berufsaufbauschule zuständig. Für diese Schulform engagierte er sich mit höchstem Einsatz, bis er am 31.3.1966 pensioniert wurde. Danach betreute Kollege Heinz Sterz die Berufsaufbauschule.

Bis zum Jahre 1959 wurde die Berufsaufbauschule nur in Abendform angeboten. Berufsschüler mit Volksschulabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung konnten in 3 1/2 Jahren die “Fachschulreife“ erwerben, die zum Besuch einer Ingenieurschule berechtigte. An 3 Abenden pro Woche wurden jeweils 4 Unterrichtsstunden erteilt.

Zum ersten Lehrgang hatten sich 30 Schüler angemeldet. Die stetig steigende Zahl der Interessenten erreichte im Jahre 1960 mit 610 Bewerbern ihren höchsten Stand.

Im Laufe der Jahre entstand eine immer stärkere Nachfrage nach einer Berufsaufbauschule in Tagesform. Da es auf Landesebene noch keine Richtlinien für Tagesklassen gab, wurde 1959 ein an der Schule entwickeltes Verfahren für den Aufbau von Tagesklassen angewendet: Wer sich während des ersten oder zweiten Abendsemesters bewährt hatte, konnte in die Tagesform überwechseln, die dann noch zwei Semester dauerte. Die landeseinheitliche Regelung konzipierte später eine dreisemestrige Tagesform mit 36 Unterrichtsstunden pro Woche, mit der jeder Bewerber nach einer Aufnahmeprüfung direkt beginnen konnte.

Aufgrund der insgesamt besseren wirtschaftlichen Verhältnisse stieg in den folgenden Jahren die Bewerberzahl für die Tageskiassen stark an, während gleichzeitig das Interesse an den Abendklassen nachließ.

1965 hatte die Berufsaufbauschule 453 Schüler, die sich auf 11 Abendlehrgänge und 6 Tagesklassen verteilten. Bemerkenswert ist, dass noch im Jahre 1966 an der Berufsaufbauschule nur 4 hauptamtliche Lehrer unterrichteten, wogegen die Zahl der nebenamtlichen und nebenberuflichen Lehrkräfte 49 betrug. Das kam zum Teil daher, dass vielen an der Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik tätigen Lehrern der Unterricht in Berufsschulklassen wichtiger war als der in der Berufsaufbauschule. Die meisten nebenamtlichen Kollegen unterrichteten an der Berufsaufbauschule durchschnittlich zwei Abende mit zusammen 6 Stunden und bekamen diese als nebenamtlichen Unterricht zusätzlich bezahlt.

Welche Bedeutung der Berufsaufbauschule insgesamt zugemessen wurde, mag auch daran zu erkennen sein, dass sie, obwohl der Berufsschule angegliedert, ein eigenes Dienstsiegel führte.

Infolge der Änderungen im Studiengang zum Gewerbelehramt wurde die Ausbildung vom Berufspädagogischen Institut an die Hochschulen verlegt, die Studienzeit
von 6 auf 8 Semester und der Vorbereitungsdienst von einem Kandidatenjahr auf zwei Referendarjahre erhöht. Nicht nur die nach diesem Studiengang ausgebildeten Kollegen wurden Studienräte, sondern mit Wirkung vom 1.4.1966 auch alle nach der alten Ausbildungsordnung ausgebildeten Lehrer. Sie wurden sowohl in ihren Dienstbezügen wie mit ihrer Dienstbezeichnung entsprechend angeglichen:
            Gewerbeoberlehrer     wurden     Studienräte,
            Fachvorsteher               wurden    Oberstudienräte,
            Berufsschuldirektoren  wurden     Oberstudiendirektoren.

Ende der 60er Jahre wurden an den Berufsschulen die Bezeichnungen der Unterrichtsfächer “modernisiert“. Mit diesen Änderungen sollte auch ausgedrückt werden, dass die Struktur der Unterrichtsinhalte und ihre Verrnjttlungsmethoden in den zurückliegenden Jahren eine stärkere Wissenschaftsorientierung bei gleichzeitigem Zurückdrängen von “Regelkunde“ erfahren hatten:

                Fachkunde        >    Technologie
                Fachrechnen     >    Mathematik
                Fachzeichnen    >    Technisches Zeichnen
                Bürgerkunde     >    Politik
                Schriftverkehr   >    Wirtschaftslehre


Seit dem 1.4.1966 war Kollege Gottfried Adolph stellvertretender Schulleiter. Nach der Umstellung der Gewerbelehrerausbildung bildete er als Fachleiter für Elektrotechnik am Studienseminar Köln neben seiner Unterrichtstätigkeit Referendare aus.

Am 1.8.1968 erfolgte die Umstellung des Schuljahrbeginns vom 1. April auf den 1. August. Mit dieser Umstellung waren drei Kurzschuljahre verbunden.

Zum Ende des Schuljahres 1968/69 wurde die Berufsschule für Mechanik und Elektrotechnik aufgrund eines Ratsbeschlusses von 1967 noch einmal geteilt. Die Schulen erhielten die Bezeichnungen “Berufsschule für Elektrotechnik und Elektronik“ und “Berufsschule für Mechanik und Fernmeldetechnik“.

Die Schulleitung der Berufsschule für Mechanik und Fernmeldetechnik verblieb bei dem bisherigen Schulleiter Peter Lersch, der 1981 pensioniert wurde. Der im Jahre 1970 zu seinem Stellvertreter ernannte Heinz Sterz trat dann 1982 als Oberstudiendirektor seine Nachfolge als Schulleiter an.


Anmerkung der Redaktion:
Zum Schluss noch sein Nachwort zu seiner Chronik:


10. Nachwort des Verfassers Hans Nagel

Sollten sich trotz aller Sorgfalt durch Schreib- oder Übertragungsfehler Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, oder sollte sogar etwas Wichtiges vergessen worden sein, so bitte ich um Verständnis.

Jeden mir zugehenden Ergänzungsvorschlag, jeden Hinweis auf eine Unstimmigkeit und jede Anregung, einen bestimmten Sachverhalt in eine Neuauflage aufzunehmen, werde ich systematisch sammeln, so dass diese bei einer späteren Neuauflage, wer auch immer sie in Angriff nehmen wird, verwendet werden können.

Allen genannten und ungenannten Helfern, die mir bei der Zusammenstellung und Erarbeitung dieser Chronik tatkräftig geholfen haben, spreche ich meinen herzlichen Dank aus.

Köln, im Juli 1986

Gez. Hans Nagel


11. Anhang Literatur

A. Bodesohn, Handbuch der Fortbildungsschulkunde,
Wittenberg 1912, Verlag R. Herrose‘s

C. Menze, Bildung und Bildungswesen,
Hildesheim-New York 1980, Verlag Georg Olms

Dr. Otto Monsheimer, Drei Generationen Berufsschularbeit,
Weinheim 1955, Verlag Julius Beitz

Dr. Hermann von Seefeld, Sammlung von Vorschriften der Preußischen gewerblichen Unterrichtsverwaltung,
Berlin-Leipzig 1933, Verlag Julius Beltz

Herbert Sinz, 2000 Jahre Kölner Handwerk,
Köln 1975, Verlag Ritterbach

Arnold Stelzmann, Illustrierte Geschichte der Stadt Köln,
Köln 1958, Verlag J. P. Bachem

Jürgen Wissing, Zur Didaktik des werkkundlichen Berufsschulunterrichtes,
Frankfurter Methodik Heft 3,
Weinheim- Berlin 1954, Verlag Julius Beitz

Berufsschulen und Fachschulen in Köln,
Denkschrift zur Eröffnung der Berufsschule Ulrepforte,
Köln 1928, Schulamt der Stadt Köln

Die Stadt Köln im ersten Jahrhundert unter Preußischer Herrschaft 1815-1915,
herausgegeben von der Stadt Köln,
Cöln 1916, Verlag Paul Neubner

Die Gewerbliche Berufsschule Ib Köln,
Festschrift anlässlich einer Ausstellung,
Köln 1953, Eigendruck

Geschichte des Kölner Elektrohandwerks,
Zum 50-jährigen Jubiläum 1961
Köln 1961, Druck Balduin Pick

Schriftenreihe der Georg Michael Pfaff Gedächtniskommission,
Dankrede des Sprechers der Planungskommission Kollegschule,
Kaiserslautern 1973, Band 11

Strukturförderung im Bildungswesen des Landes Nordrhein-Westfalen,
Eine Schriftenreihe des Kultusministers,
Ratingen-Kastellaun-Düsseldorf 1972, Heft 17

Von der Gewerblichen Fortbildungsschule zur
Städtischen Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik Köln,
Kleine Chronik, zusammengestellt von Wilhelm Blick 1985
(als Manuskript vervielfältigt)

Hier endet der Teil der Chronik, der den Ursprung der Georg-Simon-Ohm-Schule aus der Feder von Hans Nagel betrifft.

Redaktionelle Bearbeitung:
Manfred F. Dunkel
30. November 2002

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