Im dritten Ausbildungsjahr produzieren die angehenden Mediengestalter*innen Bild und Ton im Projekt Trainee TV (TTV) eine eigene 20-minütige Live-Sendung. Die Klasse AVM35 entschied sich in diesem Jahr für das Thema queeres Leben in Köln. Unter dem Titel „Köln bleibt bunt“ entstand eine Sendung mit Studio-Moderation, Straßenumfragen und Einspielern – unter anderem mit der männlichen Cheerleadergruppe Pink Poms. Das ganze Video könnt ihr euch HIER ansehen.
Für unsere neue Unterseite von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage haben wir mit Nele und Max (Producer*innen der Sendung) über die Entstehung der Sendung gesprochen: über persönliche Motivation, überraschende Rechercheergebnisse und darüber, warum solche Themen auch in der Schule ihren Platz haben.
„Wir haben es wirklich geschafft“
Wochenlang Vorbereitung, viele Drehs, redaktionelle Planung, Technikproben – und am Ende eine Live-Sendung, die nur einmal funktioniert oder eben nicht. Für Max und Nele gab es einen ganz bestimmten Moment, in dem klar wurde, dass sich die Arbeit gelohnt hat.
Max:
„Mein persönliches Highlight war tatsächlich der Auftritt der Pink Poms am Ende der Sendung. Nele und ich hatten sie schon einmal am Aachener Weiher gesehen und dachten damals sofort: Egal, was wir irgendwann für eine Sendung machen – die müssen irgendwie dabei sein. Dass wir sie dann wirklich für unsere Schulsendung gewinnen konnten und wenn man im Nachhinein die Aufzeichnung anschaut und sieht, wie sie in ihren Kostümen auf die Bühne kommen, merkt man noch einmal, was für ein besonderer Moment das war.“
Nele:
„Für mich war das der Moment, als ich mit ihnen auf der Bühne stand. Die Musik lief, alle haben gefeiert, überall war Licht und Bewegung – und plötzlich fiel der ganze Druck der letzten Wochen von den Schultern. Ich war vorher unglaublich aufgeregt, aber in diesem Moment habe ich einfach gedacht: Wow, wir haben das wirklich geschafft.“
Warum eine Sendung über queeres Leben in Köln?
Die Entscheidung für das Thema war für beide auch persönlich motiviert.
Nele:
„Ich bin selbst eine FLINTA*-Person und lesbisch. Ich komme ursprünglich vom Dorf und habe mich dort lange nicht wirklich frei gefühlt. Als ich nach Köln gekommen bin, habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie es sich anfühlt, einfach so leben zu können, wie man ist. Gleichzeitig merkt man gerade politisch einen starken Rechtsruck, und viele Menschen haben wieder mehr Angst. Deshalb fand ich es wichtig zu zeigen, dass Köln trotzdem weiterhin ein Ort ist, an dem queeres Leben sichtbar und lebendig ist.“
Auch für Max war das Thema eng mit eigenen Erfahrungen verbunden.
Max:
„Für mich hat Köln auch eine persönliche Bedeutung, weil ich hier meine Bisexualität wirklich entdeckt habe. Ich komme aus einer Umgebung, in der das Thema oft noch schwierig ist. In Köln habe ich das Gefühl bekommen, mich frei entwickeln zu können. Gerade deshalb war mir wichtig, dass wir diese Sendung nutzen, um zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die für Vielfalt einstehen – und dass man dem Rechtsruck nicht einfach zuschauen darf.“
Überraschungen bei der Recherche
Bei der Vorbereitung der Beiträge stießen die beiden auch auf Erkenntnisse, die sie selbst überrascht haben.
Nele:
„Ich habe für meinen Beitrag zu FLINTA*-Themen recherchiert und war ehrlich gesagt ziemlich schockiert. Wenn man sich anschaut, wie viele Bars es zum Beispiel für schwule Männer gibt, und das mit FLINTA*-Safe-Spaces vergleicht, merkt man, wie groß der Unterschied ist. In Deutschland gibt es tatsächlich nur sehr wenige Orte, die wirklich explizit als FLINTA*-Bar oder FLINTA*-Space ausgewiesen sind. Das war mir vorher in dieser Form nicht bewusst.“
Max:
„Mir sind auch einige Zahlen und Perspektiven noch einmal viel stärker aufgefallen. Man merkt, dass viele Themen rund um Gleichberechtigung und Vielfalt im Alltag schnell übersehen werden – bis man sich wirklich intensiv damit beschäftigt.“
Live vor der Kamera
Während der Sendung moderierte Max gemeinsam mit seiner Kollegin Melody im Studio – eine besondere Situation, denn bei einer Live-Sendung gibt es keine zweite Chance.
Max:
„Wir haben als Gruppe extrem viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Uns war wichtig, dass die Sendung nicht nur informativ ist, sondern auch unterhaltsam. Gleichzeitig spürt man natürlich eine große Verantwortung, weil man weiß: Diese 20 Minuten passieren genau einmal. Man will nichts falsch machen und hat immer im Hinterkopf, dass hinter einem die ganze Arbeit der Gruppe steckt.“
Trotz der Anspannung überwiegt für ihn im Rückblick der Stolz auf das Ergebnis.
Max:
„Natürlich gab es kleine Versprecher oder Momente, die nicht perfekt waren – aber insgesamt bin ich wirklich zufrieden. Gerade das Zusammenspiel im Studio hat gut funktioniert und ich finde, wir haben die Sendung als Team sehr gut getragen.“
Dreharbeiten mit den Pink Poms
Für Nele waren die Dreharbeiten mit der Cheerleadergruppe eine ganz neue Erfahrung.
Nele:
„Ich stehe eigentlich lieber hinter der Kamera und hatte vorher noch nie so einen Beitrag vor der Kamera gemacht. Deshalb war ich ziemlich aufgeregt. Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie ich die Situation locker gestalten kann, ohne dass es respektlos wirkt. Die Pink Poms sind in der Szene ja schon kleine Stars.“
Was ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Atmosphäre beim Dreh.
Nele:
„Sie waren unglaublich herzlich und haben sich total gefreut, dass wir sie eingeladen haben. Während wir mit mehreren Leuten um sie herum gefilmt haben, haben sie einfach weitertrainiert und getanzt. Das war beeindruckend – und ich fand es schön, dass wir ihnen mit unserer Sendung auch noch einmal eine Bühne geben konnten.“
Neue Perspektiven durch das Projekt
Die intensive Beschäftigung mit dem Thema hat auch bei Nele und Max selbst etwas verändert.
Max:
„Für mich hat sich besonders das Verständnis für FLINTA*-Themen noch einmal vertieft. Auch wenn ich bei diesem Teil nicht die redaktionelle Verantwortung hatte, habe ich durch die Recherche und die Gespräche viel gelernt und noch einmal ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickelt.“
Nele:
„Mich hat vor allem überrascht, wie viel positives Feedback wir bekommen haben. Auch aus meiner Heimat haben Menschen geschrieben, dass sie die Sendung wichtig finden. Außerdem hat das Projekt unsere Klasse wirklich zusammengeschweißt. Dadurch, dass wir uns mit einem so persönlichen Thema beschäftigt haben, haben wir uns gegenseitig auch noch einmal ganz anders kennengelernt.“
Warum solche Projekte in der Schule wichtig sind
Beide sind sich einig: Projekte wie Trainee TV sind mehr als nur eine technische Übung.
Nele:
„Ich finde es wichtig, dass junge Menschen in der Schule eine Plattform bekommen, um über Themen zu sprechen, die ihnen wirklich wichtig sind. Wir konnten selbst entscheiden, worüber wir berichten wollen. Das gibt Schüler*innen eine Stimme – und man lernt dabei auch unglaublich viel über Zusammenarbeit und Verantwortung.“
Max:
„Gerade in der Schule befinden sich viele Menschen in einer Phase, in der sie ihre Identität entdecken und politische Fragen für sich neu einordnen. Deshalb ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen man über solche Themen sprechen kann. Schule sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Raum für gesellschaftliche Diskussionen geben.“
„Wir müssen gemeinsam dagegenhalten“
Am Ende bleibt für beide eine klare Botschaft:
Max
„Ich wünsche mir, dass Menschen Mut aus dieser Sendung mitnehmen – und merken, dass sie nicht allein sind im Einsatz gegen den Rechtsruck.“
Nele:
„Köln ist eine offene und vielfältige Stadt. Aber das bleibt nur so, wenn viele Menschen gemeinsam dafür einstehen. Genau das wollten wir mit unserer Sendung zeigen.“
